Autorenlesung - Wen interessiert´s?

Autorenlesung - Wen interessiert´s?
Lesung 2 Kommentare

Gibt es Menschen, die zu einer Veranstaltung gehen, nur weil sie mit »Autorenlesung« überschrieben ist? Der Begriff »Autorenlesung« impliziert, dass dort der Autor oder die Autorin selbst aus ihrem Werk vorträgt. Es gehört aber nicht zu den Kernkompetenzen von Autoren, gut vorlesen und vor Publikum agieren zu können. Ann-Bettina Schmitz hat nun auf ihrem Blog die Frage gestellt, was die Besucher von Autorenlesungen so halten, und eine Blogparade ausgerufen, an der ich mich gerne beteilige.


Gründe, eine Lesung zu besuchen


Bei der Beschäftigung mit dem Thema, habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich eine spezielle Lesung besuche oder eben nicht. Wenn man mal den fachlichen Aspekt beiseitelässt, dass ich mir gelegentlich Lesungen einfach anhöre, weil ich mich interessiert, wie das der Kollege oder die Kollegin so machen, gibt es eigentlich nur einen Grund für mich, eine Lesung zu besuchen:

Ich erhoffe, gut unterhalten zu werden.

Es mag gemein klingen, aber der Begriff »Autorenlesung« alleine schürt die Erwartung noch nicht bei mir. Es müssen unterschiedliche Faktoren dazukommen, damit ich mich auf den Weg mache:

  • Der Autor ist als unterhaltsam bekannt.
  • Das Buch oder das angebotene Programm erscheint unterhaltsam.
  • Der Veranstaltungsort ist bekannt für seine unterhaltsamen Abende.

Ich mag alleine damit sein, dass der Begriff »Autorenlesung« für sich, bei mir keinen großen Reiz ausübt. Wie gesagt, das fachliche Interesse vernachlässige ich mal in dieser Betrachtung. Vielleicht ist dies auch der Tatsache geschuldet, dass ich leider viel mehr schlechte als gute Lesungen erleben musste. Aber ich kann bei meinen eigenen Lesungen feststellen, dass die o.g. drei Faktoren auch bei anderen Menschen entscheidend zu sein scheinen. Ich bin leider noch nicht so bekannt, dass man Name alleine Publikum anzieht, obwohl ich sehr daran arbeite, dies zu ändern. Der erste Faktor greift bei mir also nur in geringem Maße. Bei meiner letzten Lesung hörte ich im Nachhinein vom Veranstalter, dass er mit mehr Zuschauern gerechnet hatte. Aber die letzte Lesung eines Autors an diesem Ort war nicht so gut gewesen, so dass wohl einige Stammzuschauer abgeschreckt waren und dann nicht zu meinem Abend gekommen sind. Für sie war der Begriff »Lesung« mit weniger guten Erfahrungen verknüpft und mein Angebot konnte die Skepsis nicht aus dem Weg räumen. Beim nächsten Mal an diesem Ort, bin ich sicher, werden mehr Leute kommen, denn man kennt mich nun dort und weiß, dass meine Lesungen Spaß machen.

Die Konsequenzen


Die wesentliche Konsequenz ist, dass man sich abheben und mit seinem Angebot einen eigenständigen Reiz ausüben muss. Wenn man es mal soweit gebracht hat, dass das eigene Image und der eigene Name dazu genügen, ist man am Ziel angekommen. Aber ich bin davon noch weit entfernt und ich denke, vielen geht es genauso. Bleibt also nur, die anderen Faktoren zu nutzen.
Ich überlege beispielsweise, mein Programm nicht mehr nur »Lesung« zu nennen, damit ich Punkt 2 besser erfülle und mein Programm schon im Vorfeld unterhaltsam erscheinen lasse. Es ist sicher mehr als eine Autorenlesung. Ich entwickele es immer mehr in Richtung eines Kabarettprogramms. So versuche ich derzeit, es als Krimikabarett zu platzieren. Andere Autoren kooperieren mit Musikern oder mit anderen Autoren, um es reizvoll zu gestalten. Allen Bemühungen sind eines gemein: Es sind eigentlich keine klassischen Autorenlesungen mehr.

Ebenso kann ich klar an den Zuschauerzahlen bei meinen Lesungen erkennen, ob der Veranstaltungsort einen unterhaltsamen Ruf hat oder nicht. Im ersten Fall kommen mehr Menschen zu meinem Abend, obwohl ihnen mein Name noch nichts sagt. Also achte ich darauf, an welchen Orten ich auftrete und wie engagiert die Veranstalter sind. Das Thema Bezahlung ist da im Übrigen ein guter Gradmesser. Veranstalter, die bereit sind, zu investieren, legen von vorneherein mehr Energie in die Vermarktung des Events. Wenn Veranstalter fast schon allergisch auf die pure Andeutung der Bezahlung reagieren oder sie schon zu Beginn kategorisch ausschließen, ist Skepsis angesagt. Ich prüfe dann für mich sehr genau, ob es andere Gründe gibt, die für mich eine Lesung an diesem Ort interessant machen. Dies kann z.B. sein, dass ich dort einen bisher nicht erreichten Teil meiner Community als Zuschauer erwarten kann oder es einfach als Übung zur Verbesserung meines Programms betrachte.

Sind Online-Lesungen interessant?


Online-Lesungen haben für mich ganz andere Gesetze, als der Live-Abend vor Publikum. Bei Letzterem interagiere ich viel enger mit dem Publikum. Ich liebe es beispielsweise, mich auf der Bühne zu bewegen, statt nur dazusitzen und zu lesen. Mehr als die Hälfte eines Abends besteht aus Anekdoten, Hintergründen und Geschichten. Eine Online-Lesung ist viel mehr auf das reine Lesen fokussiert. Es ist fast wie eine Art Live-Hörbuch. Ich kann mich als Zuhörerin zuhause gemütlich zurücklehnen und den Worten lauschen. Das hat sicherlich seinen eigenen Reiz, ist für mich aber auf keinen Fall ein Ersatz für die Live-Veranstaltung. Für mich als Autorin ist es eine Ergänzung des Angebots, um die Klientel zu erreichen, die dies mögen. So habe ich beispielsweise einen Auszug aus »Kick ins Leben« in einem YouTube-Video gelesen. Durchaus auch mit dem Hintergrund, um potenziellen Veranstaltern zu zeigen, dass ich eben nicht langweilig lese. Vielleicht werde ich SecondLife irgendwann auch ausprobieren.
Doch letztlich gelten die gleichen Faktoren, die eine Lesung interessant erscheinen lassen, auch online: Die Zuhörer müssen die berechtigte Erwartung haben, gut unterhalten zu werden. Der Veranstaltungsort fällt als Faktor weg, dies zu zeigen. Bleibt also die Person des Autors oder das vorgestellte Werk, um die Zuhörer anzulocken.

Was bedeutet es nun?


Das ich Lesungen und das Agieren vor Publikum liebe, habe ich schon mehrfach kundgetan. Es würde mir etwas fehlen, wenn ich keine Lesungen mehr machen könnte. Daher ist für mich die Konsequenz klar: Ich muss meine Lesungen als eigenständiges Unterhaltungsangebot etablieren. Die Bücher sind Themengeber und deren Verkauf ist Zusatznutzen.
Autorinnen und Autoren, die meine Vorliebe für Live-Events vor Publikum nicht teilen, möchte ich dennoch den Tipp auf den Weg mitgeben, Lesungen zu machen. Vielleicht sollten sie keine übergroßen Erwartungen haben, sondern den Spaß und das tolle Erlebnis der direkten Interaktion mit Zuhörern in den Vordergrund stellen. Damit es richtig gut wird, habe ich in einem früheren Blogartikel einige Tipps zu einer guten Lesung zusammengetragen.

Ich wünsche viel Spaß.

Beteiligt euch an der Blogparade oder hinterlasst eure Meinung zum Thema Autorenlesung in einem Kommentar. Ich bin gespannt auf eure Ansichten.


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2 Kommentare Autorenlesung - Wen interessiert´s?
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  • Autorenlesung

    Hallo Vera,

    vielen Dank, dass du an meiner Blogparade teilgenommen hast. Die Anzahl der Beiträge hält sich bisher ja leider im bescheidenen Rahmen.

    In Bezug auf Autorenlesungen teile ich 100 % deine Meinung. Es gibt nur wenige Leute, die es schaffen, durch reines Vorlesen eines Textes das Publikum gut zu unterhalten. Da gefällt mir dein Ansatz wesentlich besser. Wie ich in meinem eigenen Beitrag schon geschrieben habe, habe ich auch schon grauenhafte Lesungen erlebt.

    Viele Grüße

    Ann-Bettina

    • Autorenlesung

      Hallo Ann-Bettina,

      vielleicht ist die nicht ganz so große bisherige Resonanz auf deine Blogparade auch ein Zeichen, dass Autorenlesungen kein so relevantes Thema bei den Leserinnen und Lesern sind. Vielleicht sind die Hauptnutznießer doch eher die Autoren selbst.

      Aber vielleicht finden sich ja noch Bloggerinnen und Blogger, die ihre Gedanken schildern.

      In Aachen war ich übrigens noch nicht mit meinem Programm. Du hast nicht zufällig Kontakte zu guten Veranstaltern in deiner Umgebung?

      Herzlichen Gruß,

      Vera