Schreiben ist eine Qual

Schreiben ist eine Qual
Schreiben 11 Kommentare

Derzeit stecke ich mitten in meinem Schreibprojekt. Jeden Morgen sitze ich vor dem Rechner und versuche, die Geschichte voranzutreiben. Tagsüber nutze ich jede Gelegenheit, um mir Gedanken über die verschiedenen Details der Handlung zu machen. Man kann sagen, das aktuelle Projekt beherrscht derzeit meine Gedanken. Aber das Leben ist ja auch noch da. Ein stetiges Spannungsfeld und Auslöser für so manche Qual.


Ich hasse Druck. Doch es braucht Ziele, um etwas zu seinem Ende zu bringen. Ich habe ein Ziel, wann mein nächstes Buch erscheinen soll. Daher weiß ich, wie viel ich zu schreiben habe und bis wann. Plötzlich ist da genau der Druck, den ich auf den Tod nicht ausstehen kann. Jeden Morgen beim Schreiben starre ich auf diesen verdammten Balken am unteren Rand meines Papyrus-Fensters, der mir sagt, ob ich meinem Tagesziel näher komme und wie unendlich weit ich noch vom Gesamtziel entfernt bin. Dann muss ich los und ins Büro zur Arbeit.

Am Anfang ist es leicht


Wie schon gesagt bin ich gerade etwa in der Mitte meines Projektes. Und dies ist die wohl schwerste Phase eines Schreibprojekts. Der Beginn ist toll. Ich habe eine Idee und brenne darauf, sie in die Tat umzusetzen. Ich mache mir Gedanken über die Figuren und kann aus dem Vollen schöpfen. Dann fange ich voller Elan an zu schreiben. Die ersten Szenen fließen mir nur so aus den Fingern. Doch je mehr ich schreibe, desto mehr Pflöcke ramme ich in die Erde, an denen ich mich später halten muss. Dazu empfinde ich mein anfängliches Gerüst, das ich mir so toll vorgestellt und ausgemalt habe, plötzlich eher als Korsett und es vergeht kein Morgen, an dem ich es nicht infrage stelle.

Kurz vor dem Gipfel


Ich fühle mich wie eine Bergsteigerin, die kurz vor dem Gipfel des Achttausenders nach oben schaut. Sie sieht das Ziel, aber sie spürt auch, dass sie Mühe hat zu atmen. Jeder Schritt fällt ihr schwer, aber sie weiß, sie muss dorthin. Ich weiß, es gibt diesen Moment beim Schreiben, an dem man über den Berg ist, im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist der Augenblick, an dem plötzlich alle vorher mühsam gesponnenen Fäden zusammenpassen und die Geschichte nur so aus den Fingern läuft. Das ist der Morgen, an dem ich im Bad stehe und wie üblich während der Morgentoilette über die aktuelle Szene grübele, die an diesem Morgen fertiggestellt werden will, und sich wie von Magie gesteuert, alle Bilder vor meinem inneren Auge zu einem perfekten Ganzen zusammenfügen. Das ist der Morgen, an dem ich vor Begeisterung ungewaschen zum PC hetze, um diesen besonderen Augenblick in vollen Zügen auszukosten. Ein umwerfender Moment. Allerdings steht mir der in meinem aktuellen Projekt noch bevor. Ich sehe ihn aber schon leuchten. Da vorne, wo ich hin möchte. Ich weiß, ich muss auf die Zähne beißen und kämpfen, um dorthin zu gelangen.

Nur keine Ablenkung


Nun neige ich dazu, Druck eher auszuweichen und nach einfacheren Wegen zu suchen. Wenn dann plötzlich der Gedanke an den aktuellen Blogartikel durch mein gemartertes Hirn schießt, muss ich mich anstrengen, dem nicht zu folgen. Ist schließlich auch Schreiben, irgendwie. Meine Blogleser warten bestimmt auf neue Artikel von mir. Oder ich stehe vor dem Spiegel und denke, dass es schön wäre, mir, statt zu schreiben, gemütlich die Haare zu waschen. Muss schließlich alles sein. Ich kann nicht wochenlang mit fettigen Haaren durch die Gegend laufen.

Wie du siehst, hatte ich einen schwachen Moment und habe diesen Artikel geschrieben, der dir einen Einblick in meine frühmorgendlichen Qualen gibt. Geht es nur mir so? Fließt dir alles leicht von der Hand? Oder hast du ähnliche Erfahrungen?

Morgen muss ich jedenfalls den heutigen schwachen Moment aufholen. Der verdammte grüne Balken am unteren Rand des Fensters will es so. Keine Ahnung, wann ich mir endlich die Haare waschen kann.

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11 Kommentare Schreiben ist eine Qual
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  • Ich kann Dir bestens nachfühlen

    Bis ich jetzt endlich wieder schreiben konnte, brach ich 2 Projekte ab. Sie waren mir zu gross und zu schwer. Immerhin liegen sie in der Schublade und werden vielleicht eines Tages doch weiter getrieben.

    Ich bin ein Plotter und muss eine funktionierende Story haben, bevor ich anfange zu schreiben. Das jetzige Projekt hätte ich auch fast geschmissen, obwohl der Plot stand, weil ich einfach nicht mehr beurteilen konnte, ob es was wird. Dann habe ich in einen wunderbaren Schreibcoach, Ronny Rindler (www.rindlerwahn.de) vom anderen Ende der Welt (Wien) engagiert. Er hat mir geholfen, die wesentlichen Fragen zu stellen und zu beantworten. Nach ein wenig Finetuning hat er mich ermutigt: Schreib jetzt einfach los, das kommt schon gut.

    Ich weiss nicht, ob Du plottest oder die Geschichte "ausgräbst". Vielleicht brauchst Du einfach jemanden, mit dem Du das Projekt durchsprechen kannst?

    Viel Spass beim Weitermachen!!!

    Liebe Grüsse

    Martin

    • Ich kann Dir bestens nachfühlen

      Hallo Martin,

      das kenne ich, mit dem Abbrechen. Irgendwann kommt in jedem Projekt dieser Punkt, an dem es Qual ist. Ich weiß ja mittlerweile, dass ich einfach weiter schreiben muss, um diese Hürde zu überwinden. Aber schwer ist es dennoch. Insbesondere, wenn das restliche Leben auch seinen Anteil fordert. Aber ich werde es auch dieses Mal schaffen. Danke für deine Motivation.

      Herzlichen Gruß,

      Vera

    • Schreiben ist ein Qual

      Nun muss ich mich endlich mal zu Wort melden.

      Ich finde Ihren Block großartig, weil ich (fast) jedem Ihrer Beiträge zustimmen kann. Mir geht es auch so. Schreiben ist eine

      + Qual- weil es nicht immer so läuft.

      - weil ich mi Gedanken machen, ob es die Mühe Wert ist

      -will ich mich immer wieder frage : "Will das überhaupt jemand lesen?"

      - weil, nur andere Schreiberlinge unsere Zweifel und Ängste und Selbstzweifel verstehen

      - weil ich, seid ich neben Familie und Beruf schreibe, immer müde bin.

      Schreiben ist eine

      + Quelle: weil ich, wenn es beim Schreiben gut läuft, voller Glückshormone bin und ständig mit einem breiten Grinsen durch die Gegend laufe.

      -weil, ich es liebe in meine Geschichte einzutauchen und in meinem Kopfkino lebe.

      -weil, jede positive Rezession, jede Lesung ein tolle Energiequelle ist und mein Grinsen noch breiter werden lässt

      solange, bis es mal wieder nicht läuft. Sich das Kopfkino nicht einschalten lässt und ich mich lieber dem Berg Bügelwäsche widme, weil die Worte im Kopf rumschwirren, aber nicht zu meinen Finger finden und ich keinen vernünftigen Satz zu Papier bringen kann. Dann beginnt der Teufelskreis und das Gefühlschaos von vorne.

      • Schreiben ist ein Qual

        Hallo Kirsten,

        danke für das schöne Kompliment. Ist Balsam auf die geschundene Autorinnenseele.

        Es ist genau, wie du schreibst, ein stetiges Hin und Her aus Qual und Glücksmomenten. Ich wäre jetzt wieder offen für Glücksmomente.

        Herzlichen Gruß,

        Vera

        • Schreiben eine Qual

          Ihrem Kommentar kann ich voll und ganz zustimmen, besonders dem zweiten Teil, Schreiben als Quelle der Freude und Kraft.

          Das sollte - so meine Meinung - das einzige Motiv sein, jeglicher Kunst. Dass diese nicht vom Himmel fällt und jeder hingehen kann gleich ohne Mühen auf Anhieb ein Meisterwerk zu erschaffen, dürfte eine der ersten Erfahrungen auch im Berufsleben sein. Und dort geht es ja um Erlernbares, das mit etwas Fleiß erreichbar ist.

          Nicht aber in der Kunst zu der ich die Literatur auch zähle. Das Problem liegt darin, wenn man die Literatur zum Geschäft machen möchte. Da braucht es dann mindestens Talent - aber das haben ja viele!

          Wenn die dann, weil Gleichgesinnte, sich unter sich austauschen und ihre Schwierigkeiten beklagen, dann kommt es mir vor wie Selbsthilfegruppen von Drogenabhängigen. Es lindert zwar die Schmerzen, fördert das Verständnis für die Probleme, bietet aber meistens keine Lösung.

          Es kommt doch wohl darauf an, wie man die Kunst einordnet - denn wie es so schön in einer Zen Weisheit heißt: Die Welt ist so wie du sie siehst. Mit deinen Gedanken formst du dir deine Welt.

          Liebe Grüße

          Roland

        • Kreativ sein - eine Qual?

          Schreiben eine Qual? Ja - wenn du dichselbst so unter Druck setzt, gleich Achtausender ohne Sauerstoff bezwingen willst und dein Projekt damit vergleichst! Jedenfalls mit den Mühen die damit sinnbildlich verbunden sind.

          Schreiben braucht Muße - und die Gunst (oder die Kunst des Lebens) sich mal einige Tage völlig vom Projekt befreien zu können. Aber nicht weil deine Energie nun dringend vom Erwerbsleben eingefordert wird - denn hier wechselt nur die Druckrichtung und macht gleich zweimal unzufrieden, wenn das eine das andere behindert.

          Nun, ich habe leicht reden, denn ich schreibe nicht - wenn überhaupt - um zu veröffentlichen, giere nicht nach dem Gipfel (erfolgreiche, termingerechte Veröffentlichung), weil ich im Grunde Druck hasse und am besten ohne Druck arbeiten kann. Gerade das Gegenteil, was inzwischen auch in den kreativen und künsterlischen Bereich Einzug gehalten halt - und doch das credo der globalisierten Erwerbswelt ist, das wir inzwischen doch immer mehr in Frage stellen. Besonders als Künstler in Frage stellen sollten!

          Also mal ganz entspannt zurücklehnen, die selbst von dir eingerammten 'Pflöcke' elegant umrunden, auf eine Wiese (sie blühen jetzt), an einen Fluß laufen, an einem Seeufer lümmeln und - Kaffee trinken!

          Den spendiere ich dir mal gerne.

          Liebe Grüße

          Roland

          • Kreativ sein - eine Qual?

            Hallo Roland,

            kreativ sein, ist sicher keine Qual. Aber sobald man Ziele verfolgt, geht es nie ganz ohne Druck. Alle erfolgreichen Autoren gehen das Schreiben wie einen Job an und setzen sich jeden Tag an den Schreibtisch. Es geht nicht ohne. Aber ab und zu mal den Kopf durchpusten, und einfach etwas Schönes tun, ist immer eine gute Idee. Auch wenn es bei uns gerade für die Wiese noch etwas zu kalt ist. Aber ein Käffchen geht immer. Danke dafür.

            Herzlichen Gruß,

            Vera

            • Kreativ sein - eine Qual?

              Hallo Vera,

              zwei Aussagen fallen mir in deiner Antwort auf meinen Kommentar ins Auge:

              - Schreiben ist wie ein Job

              - alle erfolgreichen (!) Autoren setzen sich jeden Tag unter Druck an den Schreibtisch

              Ja dann! Wenn man das Schreiben zu einem Beruf machen will - mit allen Konsequenzen die ein Erfolg verlangt, sich Mühen bis zum burnout, dann gut so.

              Viel Spaß dann - und Erfolg beim Konkurrenzkampf.

              Wünsch ich dir

              Roland

              • Kreativ sein - eine Qual?

                Lieber Roland,

                es ist lieb, dass du dich um mich sorgst. Auch eine Leidenschaft geht nie ganz ohne Qual. Der Musiker übt sich die Finger wund, um die Töne noch klarer zu produzieren. Der Maler versucht den Glanz der Sonne noch besser aufzunehmen. Zu allem gehört ein gewisser Ehrgeiz, besser werden zu wollen, sein Werk zu vollenden. Beim Schreiben ist es genauso und dann ist es auch mal eine Qual, durch die man einfach durch muss, um neue Felder zu erobern. Vom Burn-out bin ich jedenfalls noch weit entfernt, da kann ich dich beruhigen. Dazu bin ich am Ende dann doch zu faul.

                Herzlichen Gruß,

                vera

          • Es geht mir derzeit sehr ähnlich wie dir

            Liebe Vera,

            Deinen Artikel fand ich sehr interessant, besonders, weil es mir derzeit ganz ähnlich geht. Wilde Schreibflows und Glücksgefühle wechseln sich mit Schreibblockaden und hängenden Mundwinkeln ab. Zumal mir meine Hauptfiguren schon zweimal den ausgearbeiteten Plot umgestoßen haben. Manchmal fanden sie ihn zu langweilig, manchmal zu unlogisch. Nun habe ich also einen neuen auf die Beine gestellt und bis zum Ende durchgezogen. Ja, die Figuren und ich sind (erstmal) zufrieden und ich werde die Szenen Stück für Stück niederschreiben. - Das hat mir ein wenig Entspannung gebracht, obwohl mein Ziel immer noch ist, bis zum Herbst fertig zu werden. Und ich meinen dieses Jahr im Herbst! Ich setze mir das Ziel auch bewusst, damit ich das Projekt nicht aus der Hand lege. Ich mag keine angefangenen Sachen, ich möchte sie zu Ende bringen. - Wie gesagt, der neue geordnete Plot hat mir persönlich Entspannung gebracht. Ferner recherchiere ich viel für meinen neuen Roman, da er als Zeitreisegeschichte auch in der Vergangenheit spielt. In "blockierten" Momenten schaue ich also, ob mir etwas anderes Spaß macht, was auch wichtig ist fürs Buch. Dann schreibe ich erstmal daran weiter. - Gedanken für die Geschichte quassele ich ins Handy oder schreibe sie auf, damit sie erst mal aus meinem Kopf raus sind, wo sie Druck erzeugen. Nach dem Motto: schreib endlich weiter. Dann ist mein Druck weg. Ich hab die Ideen ja gespeichert, sie sind nicht weg. ;-)

            Nun wünsche ich dir und allen anderen Leidtragenden einen klaren Kopf und viel Freude. Bald ist der Gipfel erreicht, wo man wieder fix nach unten laufen kann. LG Simone

            • Es geht mir derzeit sehr ähnlich wie dir

              Hallo Simone,

              dass der Plot doch nochmal geändert wird, kenne ich zur Genüge. Aber es gibt irgendwann einen Point-of-no-Return, an dem eine Änderung unendlich aufwändig wäre und da ich ein festes Veröffentlichungsziel vor Augen habe, eigentlich nicht mehr möglich ist. Dann muss man durch das durch, was man zuvor aufgebaut hat. Glücklicherweise finden sich dann doch immer wieder Wege.

              Herzlichen Gruß,

              Vera

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