WARNUNG: AutorIn sein hat Nebenwirkungen!

WARNUNG: AutorIn sein hat Nebenwirkungen!
Leben 12 Kommentare

Ein Buch zu schreiben ist etwas Besonderes. Das steht außer Frage. Ein solches Ereignis verändert das Leben. Nicht umsonst sagt der Volksmund, dass man einen Sohn gezeugt, einen Baum gepflanzt und ein Buch geschrieben haben soll, um etwas im Leben erreicht zu haben. In unserer schnelllebigen Zeit ist ein Buch vielleicht nicht mehr ganz so für die Ewigkeit, aber von dem Moment an, an dem man sich als Autor oder Autorin bezeichnet, ändert sich einiges. Ich möchte hier schonungslos über die Nebenwirkungen aufklären, damit alle wissen, worauf sie sich einlassen.

Es mag sein, dass sich die Nebenwirkungen etwas minimieren lassen, wenn man keinem von seinem Autorinnendasein erzählt. Doch dann gibt es auch nicht so viel Spaß. Für mich ist dies keine Option. Da stelle ich mich lieber den Gefahren, die es bietet, sich und seine Leidenschaft den Menschen zu offenbaren.


Hier nun eine kleine Auswahl der Nebenwirkungen, die ich bisher am eigenen Leib erfahren musste:

Der ständige Erzähler im Kopf


Du sitzt in einem Café. Am Tisch gegenüber sitzt ein Pärchen, das sich angeregt unterhält. Du kannst nicht hören, was sie sagen, aber in deinem Kopf schildert der Erzähler die Geschichte dieses Pärchens, wie du sie schreiben würdest.

»Deine Mutter kann mich nicht ausstehen.« Er rührt in seinem Milchkaffee und Milchschaum schwappt auf den Tisch. Sie verzieht ihr Gesicht, kramt ein Papiertaschentuch aus ihrer Handtasche und beginnt, die Milchpfütze aufzuwischen. »So schlimm ist es nun auch wieder nicht.« Sie fasst seine Hand. »Ich liebe dich und meine Mutter mag dich auch.«

Dein Blick schwenkt zu dem jungen Mann, der alleine an der Theke sitzt und dein Erzähler beginnt von Neuem. In der Zwischenzeit wird dein Kaffee kalt und ein paar Menschen im Café schauen dich mit irritierten Blicken an. Hast du vielleicht laut gesprochen? Du bist peinlich berührt, errötest etwas und versuchst, schleunigst zu zahlen und das Lokal zu verlassen.

Mörder überall


Du hast den längst fälligen Termin bei der Zahnärztin. Kein angenehmer Gedanke, dort hinzugehen, aber es muss sein. Du liegst auf dem Stuhl. Dein Mund ist weit aufgerissen und die Zahnärztin stochert mit so einem spitzen Ding in deinen Zähnen herum. »Ich habe letztens in der Zeitung von Ihnen gelesen«, erzählt die Ärztin und du machst ein grunzendes Geräusch der Bestätigung. »Sie haben einen Krimi geschrieben, nicht wahr?« Wieder grunzt du. »Das ist toll. Haben Sie mal überlegt, über einen Zahnarzt als Mörder zu schreiben?« Du reißt die Augen weit auf, was sie als Zustimmung deutet, ihre Ausführungen fortzusetzen. Dabei übersieht sie, dass sich deine Hände in die Stuhllehne krallen. Stattdessen beginnt sie, dir genau zu schildern, wie sie jetzt nur ein kleines Teilchen dieses martialisch klingenden Bohrers in deinen Hals fallen lassen müsste und es wäre um dich geschehen.

Nachdem die Behandlung fertig ist und du erleichtert den Mund schließen kannst, bittet sie dich, zu spülen. Sobald du den ersten Schluck genommen hast, erwähnt sie, dass es auch ein Leichtes wäre, ein Gift in die Spülung zu mischen. Du verabschiedest dich hastig, versprichst, über einen Zahnarzt als Mörder nachzudenken, und weißt, dass du nie wieder zum Zahnarzt gehen wirst.

Schmerzende Schulter und volles Auto


Deine Schulter schmerzt und du bist froh, die schwere Handtasche abzulegen. Freunde fragen dich jedes Mal, ob du Steine transportierst, wenn sie das Gewicht deiner Tasche spüren. »Nein«, erklärst du dann. »Es sind meine Bücher.« Denn natürlich hast du überall, wo du gehst und stehst, Bücher von dir dabei. Denn der Gedanke, es fragt dich jemand spontan nach einem Buch und du bist dann nicht in der Lage, diesen Wunsch zu erfüllen, zerfrisst dich geradezu. Deshalb müssen Freunde, die du vom Flughafen abholst, ihre Koffer immer auf den Rucksitz deines Autos legen. Der Kofferraum ist nämlich voll. Dort sind mehrere Kartons mit Büchern. Schließlich könnte jederzeit eine Hundertschaft von Menschen auf dich zuströmen und nach deinen Büchern verlangen. Dafür musst du gerüstet sein.

Sei gewarnt!


Die Liste hat natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es können also noch jede Menge weitere Gefahren dort draußen auf die sensible Autorinnenseele lauern. Überlege dir also gut, ob du dich diesem Risiko aussetzen möchtest. Ich habe dich jedenfalls gewarnt.

Hast du noch andere Auswirkungen erfahren? Berichte doch in einem Kommentar darüber.


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12 Kommentare WARNUNG: AutorIn sein hat Nebenwirkungen!
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  • Wir kennen das alle

    Hihi das kennen wir wohl wirklich alle :D

    Ich hab noch einen Tick: Wenn ich mir einen Film/eine Serie ansehe, dann analysiere ich ständig die Charakteren, ob ihre Entwicklung nachvollziehbar ist unsw :')

    • Wir kennen das alle

      Hallo Inga,

      ja, das kenne ich auch. Dazu überlege ich jedes Mal, wie denn wohl die Verfilmung eines meiner Bücher aussehen könnte und ob der Schauspieler ode die Schauspielerin passen würde.

      Herzlichen Gruß,

      Vera

    • Kenne ich...

      Hey,

      ich erwische mich beim Lesen von anderen Büchern ehrlich gesagt manchmal dabei, wie ich im Kopf Sätze umstelle und überprüfe, ob sie so nicht besser klingen würden :D

      Liebe Grüße,

      Jasmin

      • Kenne ich...

        Hallo Jasmin,

        oh ja, ich habe das Gefühl, überhaupt nicht mehr unbefangen ein Buch lesen zu können. Wenn ich tief in einem Schreibprojekt stecke, wie jetzt gerade, geht gar nicht mehr. Ständig vergleiche und analysiere ich.

        Herzlichen Gruß,

        Vera

      • Schlechte Erfahrung

        Hallo oder Servus, wie man bei uns sagt! Ich hab bei meinem allerersten Buch (Ein Kochbuch) eine sehr schlechte Erfahrung gemacht, die mich beinahe davon abgehalten hätte mehr zu schreiben. Ich bekam von Neidern anonyme Briefe, in denen es zum Beispiel hieß: "Walter Bachmeier? Ein Autor? Dass ich nicht lache!" Um nur mal eines zu nennen. Ich weiß, so etwas sollte man nicht überbewerten und ich habs auch nicht getan. Die Briefe landeten alle dort, wo so etwas hingehört: Im Papierkorb.

        Gruß an alle, die das lesen

        Walter

        • Schlechte Erfahrung

          Hallo Walter,

          oh, das tut mir leid, zu hören. Solche Erfahrungen habe ich glücklicherweise noch nicht gemacht. Aber es würde mich definitiv auch treffen. Also, schön die Ohren steif halten.

          Herzlichen Gruß,

          Vera

        • Café-Gäste und Filme

          Hallo Vera,

          Du hast ja so recht!

          Café-Gäste nehmen bei mir oft ungewollt an einem Casting teil: Die sieht aus wie meine Protagonistin, nein - wie sie spricht passt nicht, aber ihr Freund könnte ...

          Und selbst schlechte Filme erhalten plötzlich ihre Berechtigung, wenn ich analysiere, warum was nicht funktioniert hat.

          Frohes Schreiben und viele Grüße,

          Ricarda

          • Café-Gäste und Filme

            Hallo Ricarda,

            mittlerweile habe ich schon eine Art Scannerblick, der ständig nach Personen oder Eigenschaften sucht, die ich für Romanfiguren verwenden könnte. Manche gucken dann irritiert zurück, wenn ich sie zu sehr anstarre.

            Herzlichen Gruß,

            Vera

          • That’s what it feels like ...

            Hallöchen,

            ja, das kommt mir alles auch irgendwie bekannt vor ... der "Scanner-Blick", die permanente Analyse von Charakteren und Story-Wendungen in Filmen, und natürlich die ständige unbewusste Suche nach neuen Protagonisten.

            Auch sehr nett: wenn ich eine plötzliche Eingebung habe und dann schnellstmöglich und auf Außenstehende vermutlich leicht panisch wirkend meinen Block herauszerre und wie wild draufloskritzele - da haben sich wohl schon so einige U-Bahn-Mitfahrer gehörig erschrocken! ;)

            Fröhliche Grüße!

            Julia

            • That’s what it feels like ...

              Hallo Julia,

              eine hektisch kritzelnde Frau in der U-Bahn ist auch eine schöne Geschichte. Ich notiere Ideen ja zumeist ins Handy. Das fällt heutzutage nicht so auf.

              Herzlichen Gruß,

              Vera

            • Sozial nicht kompatibel

              Liebe Vera, ein sehr schöner Artikel! Wenn ich mitten in einem Schreibprojekt bin, bin ich sozial völlig inkompatibel. Ich will dann nach dem Schreiben nur noch Serien gucken und meine Ruhe. Das ist für mein Umfeld immer sehr fragwürdig :-) Ich bin gedanklich aber einfach immer noch weiter in meinem Roman... und komme nicht in der Realität an. Aber ehrlich gesagt liebe ich diesen Zustand!

              • Sozial nicht kompatibel

                Hallo Christin,

                mein Interesse an sozialen Kontakten lässt in den heißen Projektphasen auch ziemlich nach. Manchmal befürchte ich schon, völlig zu vereinsamen, wenn ich es übertreibe.

                Herzlichen Gruß,

                Vera