E-Book-Diebe verfolgen oder ignorieren?

E-Book-Diebe verfolgen oder ignorieren?
Meinung 5 Kommentare

Mein Smartphone piepste. Ein neuer Eintrag im weltweiten Netz zu meinem Buch »Pseudonyme küsst man nicht« wurde gemeldet. Ich sah gleich nach, was dies wohl ist, und landete auf einer Seite, die mein Buch zum kostenlosen Download anbietet. Ärger kroch in mir hoch. Da stiehlt jemand dreist mein Buch und bietet es anderen an. Da muss ich doch etwas tun?


Wenn mir jemand meine Handtasche stiehlt, mein Fahrrad oder irgendetwas, das mir gehört, zögere ich keinen Moment und wende mich umgehend an die Polizei. Soll sie den Dieb dingfest machen und hinter Gittern bringen. Macht dieser Dieb dann auch noch Geschäfte mit meinem Besitz, darf die Strafe ruhig höher werden. Ist doch ganz einfach, oder?

Man muss die Diebe erstmal fassen


Doch wir wissen, dass die Aufklärungsquote bei normalen Diebstählen schon recht gering ist. Im Fall von E-Book-Piraterie an die Hintermänner zu kommen, ist ein Vielfaches schwieriger. In meinem konkreten Fall sitzt der Besitzer der Website laut Impressum irgendwo in China. Zudem bietet die Plattform nicht direkt das Buch zum Download an, sondern zeigt nur einen Link an. Also aufgeben und nichts tun?

Soll man etwas gegen Piratenseiten unternehmen?


Die Meinungen gehen auseinander. Ingrid Glomp führt in ihrem Artikel detailliert aus, warum sie sich nicht über Raubkopierer aufregt. Ist auch eine bequeme Entscheidung. Man lässt einfach alles laufen, und denkt sich, dass es vielleicht sogar gut für das eigene Werk sein könnte. Ich muss gestehen, dass ich bisher allzu gerne dieser Argumentation gefolgt bin. Doch es bleibt dieses Piksen in der Magengegend, nicht genug gegen Straftaten zu tun.

Sind Raubkopien letztlich kostenlose Werbung?


In Gesprächen zu diesem Thema habe ich oft gehört, dass jemand sagte, er würde die Raubkopien als Werbung betrachten, weil dadurch ja schließlich neue Leserkreise erreicht würden. Neue Leserkreise gibt es wahrscheinlich durch diese unrechtmäßigen Angebote, aber bringt mir dies etwas? Sinnvolle Werbung wäre dies ja nur, wenn sich daraus irgendwann auch ein Nutzen für mich einstellen würde. Wenn also zum Beispiel ein solcher Leser so begeistert von meinem Buch wäre und anschließend andere Bücher von mir kaufen würde. Doch würde jemand mein Buch kaufen, der sich ansonsten Bücher von obskuren Webseiten kostenlos besorgt? Ich halte die Wahrscheinlichkeit für gering. Aber wenn nicht so direkt, dann könnte der Nutzen indirekter sein. Schließlich lernen mich dadurch Menschen kennen, die sonst womöglich nie von mir erfahren hätten. Vielleicht liken die dann meine Facebookseite oder abonnieren meinen YouTube-Kanal und verhelfen mir dadurch indirekt zu mehr Verbreitung. Doch wie wahrscheinlich ist dies? Ich glaube, sich einzureden, Raubkopierer seien Werbung ist eher eine Beruhigungstaktik. Letztlich sind Raubkopierer Diebe, die meinem Werk keine besondere Wertschätzung entgegenbringen. Da kann man meines Erachtens nicht viel erwarten.

Was könnte man denn tun?


Also doch etwas gegen Raubkopierer unternehmen. Man kann versuchen, die Betreiber der Webseiten aufzufordern, das eigene Buch unverzüglich von den Seiten zu nehmen. In der Vergangenheit hat mein Smartphone gelegentlich Signal gegeben und mich darauf hingewiesen, dass eines meiner Werke irgendwo bei Google Docs zum Download bereitstand. In diesen Fällen konnte ich mit einigen Klicks die entsprechende Funktion auslösen und Google auf den unrechtmäßigen Inhalt hinweisen. Er wurde dann auch nach einiger Zeit entfernt. Bei irgendwelchen chinesischen Webseiten ist dies aber schwieriger. Annika Bühnemann hat in einem Artikel zusammengestellt, was man alles gegen Piraterie tun kann.
Es gibt Firmen, wie Counter Fights oder Agenturen, wie Authors Assistant, die ein Monitoring anbieten und dann dafür sorgen, dass die Angebote gelöscht werden. Diese Dienste kosten Geld. Für meine sechs Bücher kämen im Jahr ca. € 200,- an Kosten zusammen. Wenn ich von € 1,70 Einnahmen pro E-Book ausgehe, müsste ich durch diese Aktion 120 E-Books im Jahr mehr verkaufen. Ist das realistisch? Authors Assistant weißt dann auch in seinem Angebot sogleich darauf hin, dass durch ihre Dienstleistung kein Buch mehr verkauft wird. Bleibt also lediglich das Gefühl, etwas gegen Diebstahl zu tun, das einen bewegt, diese Dienste in Anspruch zu nehmen.

Es geht um Wertschätzung


Wir sollten uns allerdings vor Augen führen, dass wir auch eine Mitverantwortung dafür tragen, wenn Menschen unseren Werken nicht die Wertschätzung entgegenbringen, die wir für angemessen halten. Wenn Autoren Gratisaktionen machen und sich freuen, dass Schnäppchenjäger die E-Book-Reader mit den Büchern füllen, kann es nicht überraschen, dass andere kein Problem haben, sich Bücher immer kostenlos zu besorgen. Auch geben Amazons zahlreiche Aktivitäten, E-Books in Massen und kostenlos in den Markt zu schießen, kein Signal für ein werthaltiges Produkt. Und auch unlektorierte, technisch schlecht gemachte E-Books entwerten die Leidenschaft und den Einsatz vieler Autorinnen und Autoren.
Diebe hat es immer gegeben und wird es immer geben. Man muss mit sich ausmachen, ob man den Kampf aufnehmen möchte. Mein Smartphone wird sicher immer mal wieder piepsen* und mich daran erinnern.

* Mein Smartphone piepst bei neuen Einträgen zu diversen Themen, weil ich dazu Abfragen bei Google Alerts eingerichtet und diese über RSS-Feed mit IFTTT-Applets verbunden habe.

Anmerkung von CounterFights

Das Ziel von CounterFights ist es, durch ein möglichst schnelles und wiederholtes Entfernen lassen der illegalen Angebote bei den Tätern einen maximalen Aufwand zu erzeugen, um die Kopien im Internet "online zu halten" und damit die Motivation der "Uploader" und der "Downloader" massiv zu senken. Somit wird das Potential erhöht, dass vor allem die zahlungswilligen Kunden nicht auf die illegalen Angebote der Piraterieportale zugreifen können und die gewünschten Werke erwerben.




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5 Kommentare E-Book-Diebe verfolgen oder ignorieren?
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  • Eine andere Perspektive...

    @ Vera: Danke für den tollen Artikel!

    Ich habe das Problem - bis jetzt - noch nicht, weil es mein Buch - bislang - nur als Hardcover gibt. Es wird aber nicht mehr lange dauern, und auch ich werde - das ist wohl unausweichlich - davon betroffen sein.

    Ich habe zum Thema der illegalen Downloads ein paar Überlegungen:

    a) Nicht jeder illegale Download ist ein entgangener Verkauf, denn die Menschen, die sich illegaler Inhalte bedienen, würde sich nicht dieselben Mengen an Filmen, Musik, Büchern kaufen oder auch nur leisten können. Zudem habe ich den Eindruck, dass manche dieser Menschen eher an einer blinden Sammelwut erkrankt sind und die Bücher ohnehin nicht lesen!

    b) Manch ein illegaler Download kann auch Werbung für das Buch sein - die in weiterer Folge vielleicht auch zu einem Kauf führt. Den hohen Verbreitungsgrad von einem Buch auf den illegalen Seiten kann man ja auch schmeichelhaft als eine Art Empfehung sehen!

    c) Wer Bücher wirklich schätzt - und Literatur liebt - kauft sich schöne Bücher ohnehin liebend gerne. Denn er/sie weiß, dass es nur durch diese Form der finanziellen Wertschätzung auch in weiterer Zukunft ebensolche geben wird. Das gilt für Filme und Musik natürlich ebenso! Und wer sich das beim besten Willen nicht leisten kann - kann es mit einem Bibliotheksbesuch, dem Streunen auf dem Flohmarkt oder einem Geburtstagswunsch versuchen.

    d) Der Preis, den wir für ein Buch zu zahlen bereit sind, hängt nicht nur von unserer finanziellen Situation, sondern auch davon ab, ob wir spüren, wieviel Herzblut da drin steckt. Manche können das eben nicht - und das kann doch nur bedeuten, dass sie selbst nie etwas Kreatives von Wert geschaffen haben - und daher das Schaffen von anderen nicht würdigen können. Dementsprechend können sie die Bücher auch nicht genießen - und sind somit eher zu bemitleiden, als zu bekämpfen.

    PS: Vielleicht ist dies alles aber auch nur eine Argumentation für die folgende Tatsache: mir ist meine Zeit (und meine Nerven) zu schade, um mich in täglicher Sisyphos-Arbeit dem Löschen der illegalen Kopien meiner Bücher zu widmen. Da schreibe ich lieber ein weiteres Buch - das freut mich (und auch meine treue und wertschätzende Leserschaft) mehr, als alles andere :)

    • Eine andere Perspektive...

      Hallo Markus,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar. Wie schon ausgeführt, bezweifele ich den werbeeffekt von Raubkopien. Aber ich kann die Unlust, sich mit dem Thema zu beschäftigen sehr gut nachvollziehen.

      Herzlichen Gruß,

      Vera

    • eBook-Piraten tolerieren? Nö, keine Lust

      Liebe Vera,

      ich kann es sehr gut verstehen, wenn man als Autor*in (und damit meine ich jetzt nicht dich) lieber ein neues Buch schreibt, statt den selbsternannten eBook-Piraten hinterherzulaufen. Wir haben alle genug um die Ohren mit Erst-, Zweit- und Drittjob, Familie, Freunden und (vielleicht) Hobbys. Unser Tag hat nur 24 Stunden und schlafen muss man auch mal. Gelegentlich, ein bisschen zumindest.

      Für mich persönlich habe ich einen anderen Weg gesucht und gefunden: Ich schreibe jedes Portal an und beziehe mich auf DCMA, wonach illegale Downloads innerhalb von 24 Stunden entfernt werden müssen. Dafür habe ich ein vorgefertigtes Schreiben, das ich versende.

      Parallel dazu gibt es meine Bücher für ehrliche Leser*innen mit schmalem Geldbeutel zum Leihen auf diversen Onlineportalen. Das bringt mir zwar nicht so viele Einnahmen, aber ich erreiche dort sehr viele Leser*innen. Oftmals mehr als über Verkäufe. Und ich gebe den Interessent*innen die Chance, ehrlich zu bleiben.

      Bislang bin ich damit ganz gut gefahren. Aber wie überall im Leben muss jeder seinen eigenen Weg finden. Ich bin gespannt, welche Lösung du für dich ausmachst.

      Lieben Gruß

      Kari

      • eBook-Piraten tolerieren? Nö, keine Lust

        Hallo Kari,

        du schreibst die Portale selbst an? Würdest du das denn auch bei dem von ausfgefundenen chinesischen Portal tun? Passiert denn dann etwas? Im Zweifelsfall verstehen die dich doch gar nicht.

        Ich finde deinen Einsatz beachtlich.

        Herzlichen Gruß,

        Vera

        • Meine Methode

          Mit dem vorgefertigten Schreiben, das ich auf Deutsch und Englisch habe, ist das eigentlich kein Problem. Und Englisch sollten die Jungs verstehen. Bislang waren die Links dann 48 Stunden später gelöscht. Ich warte meist zwei Tage mit der Nachkontrolle.

          Und wenn es zu viel wird, würde ich mir Unterstützung holen. Bislang funktioniert es allerdings. Vielleicht liegt es auch daran, dass es meine Bücher niemals gratis gibt und ich auch keine Rezensionsexemplare als eBooks rausgebe; eBooks müssen immer gekauft werden. Rezensenten bekommen entweder eine Vorabversion ohne ISBN oder eben ein offizielles Taschenbuch.